Der Geschichteleistungskurs im Stuttgarter Hotel Silber

Marieta Bozic aus der J2 berichtet über den Besuch des Gedenkortes

Der Karlsplatz in Stuttgart ist ein Ort im Herzen der Stadt, das Gebäude in der Dorotheenstraße 10 historisch bedeutend. Julia Bader, die den Leistungskurs Geschichte am Scheffold-Gymnasium leitet, führte ihre Schülerinnen und Schüler Anfang Oktober an den Ort, der während der NS-Zeit als Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) für das damalige Württemberg und Hohenzollern diente. Nach jahrzehnter Nutzung durch die Polizei wurde es 2018 als Lern- und Gedenktort eröffnet, um an die Verbrechen der Gestapo während des Nationalsozialismus und die Rolle der Polizei im Holocaust zu erinnern.

Schülerin Marieta Bozic aus der Jahrgangstufe 2 berichtet: „Eine Mitarbeiterin des Museums führte uns durch die Dauerausstellung und erklärte uns die historischen Zusammenhänge sowie die Architektur des Gebäudes. Besonders gut und spannend fanden wir den Workshop, in dem wir in Kleingruppen mit verschiedenen Quellen arbeiteten und uns anschließend gegenseitig unsere Ergebnisse vorstellten. Dabei beschäftigten wir uns mit Fragen, die im Unterricht vielleicht nicht immer ausführlich behandelt werden, zum Beispiel: „Wer wurde während des Zweiten Weltkriegs vom Hotel Silber aus in besetzte Gebiete geschickt und war dort für Massenmorde verantwortlich?“ oder: „Welche Personen blieben nach dem Zweiten Weltkrieg im Visier der Polizei?“

Die Originalobjekte sowie Dokumente, Bilder und Medien vermittelten ein differenziertes Bild der Täter und Täterinnen und zeigten uns, welche Folgen ihr Handeln für die Opfer hatten.

Beeindruckend war auch die Sonderausstellung „Rechtsextremer Terror“ im Obergeschoss. Sie thematisiert Rechtsextremismus von heute und damals. Der zentrale Fokus liegt auf ausgewählten Fällen der Weimarer Republik und unserer heutigen Bundesrepublik.

In dieser Ausstellung laden aber auch viele interaktive Stationen dazu ein, über den eigenen Beitrag zur Bekämpfung von Rechtsextremismus nachzudenken. Besonders eindrücklich fanden wir, dass bereits viele Besucherinnen und Besucher an diesen Stationen mitgewirkt hatten. Das zeigt, wie relevant dieses Thema heute ist und wie sehr es gerade auch junge Menschen beschäftigt.

Für uns war der Besuch eine emotionale und lehrreiche Erfahrung, denn es ist erschreckend zu sehen, wie eine normale Straße in Stuttgart zum Zentrum der Gestapo-Zentrale wurde – mitten in der Stadt, wo heute noch Alltag stattfindet. Die Ausstellung machte deutlich, wie wichtig es ist, sich mit Täterstrukturen und Mitläuferschaft auseinanderzusetzen, um ähnliche Entwicklungen heute zu entdecken. Sie regt auch dazu an, über essenzielle Werte wie Demokratie, Freiheit, Menschenrechte und Zivilcourage nachzudenken. Frau Bader sind wir sehr dankbar dafür, dass sie diese Exkursion und Führung organisiert hat. Die Exkursion hat uns daran erinnert, wie wichtig es ist, solche Orte zu besuchen, um die Aufklärung und Erinnerungskultur lebendig zu halten.“

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