Die 98-jährige Zeitzeugin Ruth Michel zu Gast am Scheffold-Gymnasium

Sie erzählt vom Mut in schwerer Zeit

Ruth Michel, 1928 In Königsberg (Ostpreußen) geboren, ist eine der letzten Schoah-Überlebenden in Deutschland. Eingeladen von Geschichtslehrerin Julia Bader, erzählt sie am Scheffold-Gymnasium Schülerinnen und Schülern der Oberstufe aus ihrem Leben.

„Wie Hunger oder Durst regt sich etwas in mir“, sagt Ruth Michel, wenn es darum geht, über die Zeit von Flucht, Krieg und ihrem eigenen Überleben zu berichten. Dass „Weggucken die größte Gefahr“ berge, davon ist die Tochter eines jüdischen Vaters und einer evangelischen Mutter bis heute überzeugt. Sieben Jahre erlebte sie das, was man heute vermutlich eine „glückliche Kindheit“ nennt. Doch mit der Machtergreifung Hitlers änderte sich ihr Leben radikal: 1935 flieht die Familie nach Polen, dort wird sie „mit der ersten Schwierigkeit“ ihres Lebens konfrontiert: einer fremden Sprache. Aber Ruth Michel bezeichnet sich als „Macherin“, lernt polnisch und später auch, mit ihren schwierigen Lebensbedingungen klar zu kommen: Den Einmarsch der Roten Armee 1939 und die Besetzung durch die Deutsche Wehrmacht 1941. Ihr Vater, der lange geglaubt hatte, dass „die Deutschen ein kultiviertes Volk und zu keinem Verbrechen fähig“ seien, wird im Dezember 1941 in seinem Versteck im Wald erschossen.  Ruth Michel, ihre Mutter und Schwester entgehen nur zufällig der Ermordung – und lebten seitdem im Untergrund. „Kämpfen und Durchsetzen“ – so lautete die Devise der damals erst 13-jährigen Ruth. Sie übernimmt die Verantwortung in der Familie, besorgt Nahrung und Verstecke und schafft es, getarnt als polnische Zwangsarbeiterin, nach Königsberg zurückzukehren. Dort erlebte sie das Kriegsende – und sah Gräueltaten: „Ich bin den Ermordeten gegenüber verpflichtet, die Geschichte zu erzählen.“

Es scheint dieser Wille zu sein, der sie auch im hohen Alter noch an Schulen oder Universitäten führt.  „Wenn ich will und muss, kann ich alles“, erzählt sie am Scheffold-Gymnasium. So erlebten die Schülerinnen und Schüler eine Zeitzeugin, die einerseits zwar viel Leidvolles erlebt hat, andererseits aber auch mit ihrem Mut und ihrem Durchhaltevermögen ein beeindruckendes Beispiel einer starken Persönlichkeit darstellte.

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