„Hinter meinen Figuren stecken wahre Geschichten“

Autor Martin Schäuble liest am Scheffold-Gymnasium

Die Themen seiner Romane sind aktuell, authentisch und politisch – Rechtsextremismus, sexueller Missbrauch oder Spiel-und Handysucht bei Jugendlichen – der vielfach ausgezeichnete Journalist und Autor ist so etwas wie ein „Seismograph“ unserer Zeit. Am Scheffold-Gymnasium las Schäuble vergangenen Donnerstag aus seinem Buch „Sein Reich“ – und diskutierte im Anschluss mit den Schülerinnen und Schülern der Klassen acht und neun.

Im Mittelpunkt des Romans steht der 15-jährige Juri, der die Sommerferien im Schwarzwald bei seinem Vater, den er seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hat, verbringt. Was anfänglich wie eine rührende Vater-Sohn-Geschichte klingt, wird zunehmend beklemmender. Denn es ist eine andere Welt, die Juri fernab von Stuttgart kennenlernt: Leitungswasser sei vergiftet, die Kondensstreifen am Himmel gefährliche Chemtrails und die BRD eine Firma. Für Juri wird es zunehmend gefährlicher, als er merkt, dass sein Vater mit Menschen verkehrt, die einen Bunker und Waffen besitzen. Juris Vater ist Verschwörungstheoretiker und gehört der Reichsbürgerszene an. Ob es ihn denn wirklich gebe, möchte ein Schüler von Schäuble wissen. „Juris Vater gibt es nicht“, erklärt der Autor. Aber er habe „über Wochen“ mit einem Verschwörungstheoretiker gesprochen, ihm „tagelang zugehört“. In „Sein Reich“ seien daher alle Sätze und Reden, die man von Juris Vater lese, „Originalsätze“.

Vielleicht ist es diese Art der Ehrlichkeit, die den Roman so glaubhaft und lesenswert für Jugendliche macht. Schäuble lässt sich in seinen ausführlichen Recherchen auf seine Gesprächspartner ein, hört zu und will die Welt, in der sie leben, kennenlernen.  „Fanatiker sind immer interessant“, erklärt der Autor. Die Menschen in „Sein Reich“ gibt es: „Leute, die Waffen besitzen, Menschen, die sich nicht heilen lassen, nur mit anderen Namen.“

Engagiert und auf eine den Schülerinnen und Schülern sehr zugewandte Art gestaltet der studierte Politikwissenschaftler seine Autorenlesung im Musiksaal des Scheffold-Gymnasiums. Die rund 80 Schülerinnen und Schüler danken es ihm durch aufmerksames Zuhören und interessierte Fragen. Ob er was zur AfD sagen könne? „Ich bin für Meinungsfreiheit – und damit ein klarer Gegner.“ In Roman „Endland“ thematisiert er die Frage, was wäre, wenn eine rechtsnationale Partei in Deutschland die Wahl gewinnen würde. Dafür habe er vor allem das Parteiprogramm der AfD sorgfältig studiert und dann literarisch umgesetzt. Auch auf die Lage in Israel geht der Autor, der viele Jahre im israelischen Haifa und im palästinensischen Bir-Zeit studiert und gelebt hat, ein. In seinen preisgekrönten Sachbüchern zum Thema „Nahost“ erklärt er Jugendlichen den Nahostkonflikt und lässt Israelis und Palästinenser gleichermaßen zu Wort kommen. Im Gespräch am Scheffold gibt er aber zu, dass „jede Recherche etwas in einem selber verändert“.

Martin Schäuble vermittelte den Scheffoldianern ohne moralischen Zeigefinger, wie schnell demokratische Strukturen fragil werden können und warum es sich lohnt, sich für die Demokratie einzusetzen.

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