„Ein bisschen Rhythmus hat noch keiner Seele geschadet“

Solisten, Orchester und Chor des Scheffold-Gymnasiums mit „Sister Act“ im Stadtgarten

Es war eine großartige Aufführung, die die Musikensembles und SolistInnen des Scheffold-Gymnasiums am vergangenen Freitag in Kooperation mit TänzerInnen und SängerInnen des KULTURwerk Tanzzentrums auf die Bühne des Stadtgartens gebracht haben. Amüsant, emotional – oder, um es mit den Worten des kaltblütigen Curtis Jackson (Laurin Michaelsen) zu sagen: Hot und sexy. So besingt der Gangster im Stück „Ich mach sie kalt“ seine Geliebte Deloris von Cartier (Arya Seitzinger), eine eher erfolglose Barsängerin, der er nach dem Leben trachtet, weil sie einen Mord beobachtet hat, den sie nicht hätte sehen dürfen. Deloris wird im Kloster versteckt, dafür sorgt der rührige Polizist Eddie (Moritz Kälin), und bringt dort den abgetakelten Nonnenchor nicht nur musikalisch mächtig in Schwung.

Mit vielen Lachern und noch mehr Szenenapplaus brachte das Publikum seine Begeisterung im vollbesetzten Stadtgarten zum Ausdruck: Etwa, wenn der Nonnenchor vom dissonant klingenden „Benedictus“ mit Deloris‘ Hilfe plötzlich zu einem anmutig singenden Klangkörper mutiert. Oder wenn die drei Gangster Pablo, Joey und TJ (Lukas Gross, Joshua Wild, Lukas Trump) in „Hey Schwester“ in schönster Slapstick-Manier ihre Unwiderstehlichkeit besingen. In „Nonnen haben’s gut“ sorgt die stets fröhliche Schwester Mary Patrick (Vivienne Kinn) für gute Laune – und über der immer munterer werdenden Schwesternschar wacht die Mutter Oberin (Annika Aßmann), die in Zwiesprache mit dem Herrn versucht, wieder Ordnung in ihren Laden zu bringen. Was zunächst unmöglich scheint, wenn selbst der Monsignore (Michael Fohmann) und sogar der Papst Gefallen an den neuen Gesangsqualitäten der Nonnen finden. 

Aber es gab auch die stillen Momente, die das Publikum den Atem anhalten ließ: Etwa, wenn Leah Seitzinger als Schwester Mary Roberts in „Die Welt, die ich nie sah“ ihr Inneres gesanglich zum Ausdruck bringt, oder wenn Arya Seitzinger in „Hier an diesem Ort“ als Deloris begreift, was ihr wirklich wichtig ist.  

Die Mischung aus viel Komik und ein bisschen Tragik schauspielerisch und musikalisch überzeugend auf die Bühne zu bringen, ist nicht nur der hervorragenden Leistung der einzelnen Solistinnen und Solisten zu verdanken, sondern es ist der Gesamteindruck, der diese Aufführung zu einem besonderen Musical-Erlebnis macht. Das Schulorchester (Diana Magg) und die Big Band (Valentin Sachsenmaier) harmonierten hervorragend mit den Sängerinnen und Sängern und prägten die Aufführung mit ihrem musikalisch eindrucksvollen Spiel. Im Background fungierte ein intonatorisch sicherer Schulchor (Kilian Baur), der es verstand, wann er sich in den Vordergrund singen darf und wann Zurückhaltung angebracht ist. Für die nötige Dynamik sorgten die schwungvollen Choreographien (Regie Annette Scheuvens), die alle Beteiligten mit viel Spielfreude auf die Bühne brachten. Valentin Sachsenmaier ließ als Dirigent die Musik lebendig werden und schaffte eine perfekte Einheit zwischen Solisten, Orchester und Chor.

Zum Schluss gab es Standing Ovations und die Erkenntnis, dass selbst die Bühne des Stadtgartens an ihre Grenzen kommt: Mit rund 150 Mitwirkenden war es beeindruckend zu sehen, wie viele Schülerinnen und Schüler sich für dieses Musical engagiert haben. Neben den Schulalltag mit vielen Klassenarbeiten, Abitur und Klausuren eine solche Leistung auf die Bühne zu bringen, zeugt nicht nur von großer Disziplin, sondern auch von Begeisterung und Willen, ein solch großartiges Projekt gemeinsam mit ihren Musiklehrern und dem KULTURwerk Tanzzentrum unter der Leitung von Annette Scheuvens zu realisieren. 

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