Scheffold-Gymnasium

Schwäbisch Gmünd

50 Jahre Scheffold-Gymnasium – Besondere Highlights im Rückblick

 

 

„SCHEFFOLD-SYMPHONIE“ FEIERT PREMIERE (2. Juni 2022)

WINFRIED BUTZ DIRIGIERT ZUM ABSCHIED THEODORAKIS’ “CANTO GENERAL”

Mit einer fulminanten Sinfonie feierte das Scheffold-Gymnasium nun sein 50-jähriges Bestehen im Stadtgarten in Schwäbisch Gmünd beim großen Festakt. Yannick-Maurice Groß, Abiturient 2021, komponierte eigens für den runden Geburtstag die „Scheffold-Symphonie“. Voller Stolz kann das Scheffold-Gymnasium vom heutigen Tag an von sich behaupten, eine eigene Schul-Sinfonie zu haben. Doch bevor die „Scheffold-Symphonie“ die Zuhörer bezaubern konnte, musste der Festakt eröffnet werden.

Einstimmend auf den Abend startete Valentin Sachsenmaier mit seinem Bläser-Ensemble und dem Stück „Halleluja Drive“ vor einem vollen Stadtgarten. Geladene Ehrengäste waren nicht nur Oberbürgermeister Richard Arnold, Gmünds Amtsleiter für Kultus und Sport Klaus Arnholdt, Schulreferentin Anne Löcherbach und die Landtagsabgeordneten Martina Häussler sowie Tim Bückner, sondern auch Frau Scheffold, die Witwe unseres Namensgebers Hansludwig Scheffold. Scheffold, einem ehemaligen Gmünder Oberbürgermeister, ist es zu verdanken, dass im Schuljahr 1971/72 der Schulbetrieb mit 17 Klassen starten konnte. Schulleiter Bernd Gockel hob bei seiner Jubiläums-Ansprache hervor, dass damals „neu für Gmünd Mädchen und Jungs gemeinsam in einer Klasse unterrichtet wurden.“ „Nicht Zahlen sind wichtig, sondern die Menschen, die hinter diesen Zahlen agieren und zum Vorschein kommen“, schwärmte Bernd Gockel weiter vom Esprit des Scheffold-Gymnasiums, das sich angesichts der Zahl 50 weniger alt als vielmehr jung fühle.

Queens „Bohemian Rhapsody“ wurde daraufhin unter der Leitung von Winfried Butz durch Kammerchor und VokalPur mit kräftiger Stimme interpretiert, ehe Oberbürgermeister Richard Arnold das Wort ergriff. Als ehemaliger „Scheffoldianer“, wie er selbst sagt, resümierte er stolz, dass das Scheffold-Gymnasium nicht nur musikalische, sondern auch politische Persönlichkeiten hervorbringe, da in Gmünd und Baden-Württemberg „wichtige politische Ämter mit Scheffoldianern besetzt“ seien. So ist neben Arnold nicht nur der anwesende Landtagsabgeordnete Tim Bückner ehemaliger Scheffold-Schüler, sondern auch Gmünds neuer Jugendgemeinderatsvorsitzender Jonathan Wolf (J2).

Dann ging es endlich los. Mit viel Energie und Dynamik absolvierten Big Band und Orchester unter der sicheren Leitung von Diana Magg den ersten Satz der „Scheffold-Symphonie“, den Groß als „feierlich, freudig“ beschreibt. Denn was die Schul-Sinfonie so besonders macht, sind ihre verarbeiteten Initialen „SG“. Als Leitmotiv, das so genannte „Scheffold-Motiv“, der Sinfonie wählte Yannick-Maurice Groß Es (für das „S“ wie Scheffold) und G (für „G“ wie Gymnasium). Mit diesem Motiv spielt er gekonnt und variantenreich, sodass für jeden Zuhörer etwas Ohrenschmausiges dabei war. Unterstützend wirkten auch Ehemalige, die Gmünder Musikschule sowie Mitglieder der Gmünder Philharmonie und des Gmünder Kurorchesters. Nach dem mitreißenden ersten Satz ähnelte der zweite Satz mehr einem lockeren, coolen Pop-Song. Hier konnten die Mitwirkenden demonstrieren, dass sie auch die ruhigeren, entspannteren Töne sicher beherrschten. Die Scheffold-Band, welche bislang auf ihren Einsatz gewartet hatte, durfte sich nun auch ins Geschehen einbringen und loslegen. Im mittigen dritten Satz wechselte die Stimmung erneut und alle Jazz-Fans kamen voll auf ihre Kosten. Hier hatten die Instrumentalisten die Möglichkeit, eigene Melodien in Improvisation zu erfinden. Das Prinzip der Improvisation wurde auch im vierten Satz beibehalten, allerdings sollte ein „Klang, der gleich bleibt, sich aber doch ständig verändert“ erzeugt werden, wie Groß es beschreibt. „Adagio“ war Programm in jenem Satz, in dem mit sehr viel Ausdruck eine gewisse Schwere im Klang erzeugt wurde, welche brillant umgesetzt wurde und jeder Filmmusik Ehre gemacht hätte. Zum Abschluss wurde es im fünften Satz noch einmal pompös-feierlich bunt. Das tosende Finale wurde freudig-orchestral organisiert, sodass die Zuhörerschaft Zeuge eines Feier-Feuerwerks der Extraklasse wurde.

Nach einer Pause wurde der zweite Teil des musikalischen Abends mit der Scheffold-Interpretation von Mikis Theodorakis’ Oratorium „Canto General“ aus der Feder von Pablo Neruda gestaltet. Stimmgewaltig begleitete der Eltern-Lehrer-Schülerchor mit 15 Instrumenten, auch dank tatkräftiger Unterstützung der Musikschulen Waldstetten und Schwäbisch Gmünd, die Solo-Parts. Im steten Wechsel sangen sich die Alt-Stimmen Lia Kiflu (J2), Annika Assmann (J1) und Arya Seitzinger (Klasse 8) gekonnt und mit individuell-gefühlvollem Timbre durch die Höhen und Tiefen der Stücke. Ein felsenfester Gesangspartner an ihrer Seite war der deutschlandweit bekannte prominente Musikdarsteller und Solist Philipp Lang, ebenfalls ein ehemaliger Abiturient des Scheffold-Gymnasiums. Als besonderes Bonbon stieg Musiklehrerin Manuela Essig für die finalen Solo-Einlagen mit ein. Die Leitung hatte für das gesamte Oratorium Musiklehrer Winfried Butz inne, welcher in seinem Abschlussjahr vor dem verdienten Ruhestand noch einmal alles in die Waagschale warf und auf großer Scheffold-Bühne einen gebührenden Abschied feierte. Unter frenetischem Applaus stimmte das Ensemble zum Schluss noch eine Zugabe an.

Die Klänge begeisterten auch die rüstige, 92-Jährige Frau Scheffold, die allen „Scheffoldianern“ am Rande der Veranstaltung folgende Worte auf die Frage, wie man bis ins hohe Alter so fit bleibe, mit auf ihren Lebensweg gab: „Einfach immer weitermachen!“

ZUM GEBURTSTAG EIN KONZERT (4. Mai 2022)

DIE UNTERSTUFE MIT IHRER MUSICAL-AUFFÜHRUNG VON “SOPHIE!”

Im Jubiläumsjahr hat das Scheffold-Gymnasium sein erstes musikalisches Geburtstagsgeschenk von seinen Schülerinnen und Schülern bekommen: Die Unterstufe musizierte. Und tat das so hinreißend, dass es an diesem Abend viele Gänsehautmomente gab.

Fröhlich und beschwingt eröffneten das Unterstufenorchester und die Unterstufen Big-Band unter der Leitung von Diana Magg und Manuela Essig den Abend. Die rund 30 jungen Musikerinnen und Musiker hatten gemeinsam mit ihren Lehrerinnen ein buntes Programm mit bekannten Melodien zusammengestellt. Mit „The Hey Song“ von Gary Glitter und Mike Leander brachten sie gekonnt ihre Klangvielfalt zum Ausdruck, demonstrierten im „Kanon in D-Dur“ von Johann Pachelbel, dass sie auch leisere Töne können oder trumpften im „Bigtime Blues-Potpourri“ von Sarah Watts rhythmisch versiert und mit großer Spielfreude auf.

Der Unterstufenchor unter der Leitung von Winfried Butz hatte ein doppeltes Geburtstagsgeschenk im Gepäck: Das Singspiel „Sophie!“ von Bernhard Lienhardt und Michael Sommer. Das Stück, eine Auftragsarbeit der Landesakademie Ochsenhausen zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl, thematisiert die Begegnung der 14-järigen Lea, die im Jahr 2022 lebt, mit der jungen Sophie Scholl 1935 in Ulm.

Das Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen gelingt den jungen Sängerinnen und Sängern mühelos. Das liegt zum einen an den hervorragend agierenden Solistinnen und Solisten, zum anderen an einem Chor, der sich mit erstaunlicher Leichtigkeit durch die verschiedenen Szenen des Stückes singt. Begleitet wird er vom Instrumentalensemble der Musikprofilklasse Acht. „Sophie!“ hat seine musikalischen Raffinessen, aber die jungen Streicher, Bläser und Klavierspieler musizieren mit einer Präzision und Hingabe, die ein beeindruckendes Klanggerüst für den Unterstufenchor auf der Bühne bilden. Das Bühnenbild (Mara Böttinger) thematisiert in fünf Bildern – davon eines das Ulmer Münster – die verschiedenen Lebensbereiche der Protagonistinnen. In dieses Bild passen die Unterstufenchoristen mit ihrer Kleidermischung aus Alt und Modern ganz wunderbar.

Die Zuschauer erleben rührende, ernsthafte und witzige Momenteaus dem Leben zweier Mädchen, die aus unterschiedlichen Zeiten stammen. Etwa, wenn Lea (Vivienne Kinn) ungläubig zur Kenntnis nimmt, dass die „Olgastraße“ nun „Adolf-Hitler-Ring“ heißt, sich die Mutter Magdalena Scholl (Heidi Schabel) über die ungewöhnliche Hose von Lea wundert oder beim gemeinsamen Mittagessen der Vater (Siah Rogoll) energisch das Hitlerbild mit den Worten „Weil’s mir den Appetit verdirbt, wenn der beim Essen zuguckt“, umdreht.

Dass in der Familie Scholl jeder seine Meinung frei äußern durfte, wird vor allem in den Dialogen zwischen den Geschwistern klar. Sophie (Alara Zirih), die als 14-Jährige noch Scharführerin in Wiblingen gewesen ist, rebelliert hier schon gegen die Regeln der Nazis, indem sie zum Beispiel die Rassenkunde bei ihren Jungmädels weglässt und stattdessen Lieder am Lagerfeuer singt. Dabei kollidiert sie mit ihrer gewissenhaften Schwester Inge (Helene Schwamm), die vom besonders linientreuen Mädchen Rosemarie (Vanessa Beuther) auf Sophies Verhalten aufmerksam gemacht wird. „Du bist nichts, dein Volk ist alles“, wirft Inge ihr an den Kopf. Auf Verständnis stößt Sophie bei ihrem Bruder Hans (Laurin Michaelsen), der vom Nürnberger Parteitag zurückkehrend mit den Worten „ich würde alles für meine Jungs tun, aber nicht, weil ich nichts bin, sondern weil ich ich bin“ am System zu zweifeln beginnt.

Dass es oft Gänsehautmomente gibt, liegtauch an der sensiblen Interpretation des Chores, der das ganze Stück auswendig singt. In „Traue ihnen nicht“ verleiht die eindrucksvolle Choreographie (Regie: Dietmar Schmid) den Worten „Wenn sie nur noch Feinde sehen und die Freundschaft dran zerbricht, wenn marschiert wird statt zu gehen – traue ihnen nicht!“ eine ungewöhnliche Dramatik. Glockenhell und zart agieren die einzelnen Gesangssolisten (Lea Abele, Latisha Barlow, Isabella Bijelic, Raphael Henning, Elina Kiemel, Ellen Özgüner). Im Finalstück „Mutig sein!“ begeistert der Unterstufenchor mit dem leidenschaftlichen Appell „Man bleibt nur lebendig und bleibt nicht allein, wenn man so mutig ist, frei zu sein.“

Es ist ein Geschenk für alle, dieser Abend, der musikalisch erfüllt und durch seine Thematik auch zum Nachdenken anregt. Als Zuschauer kann man nur erahnen, wieviel Zeit und Kraft hier investiert wurde, um eine solch beeindruckende Leistung aus Musik, Schauspiel und Gesang auf die Bühne zu bringen. Verdient ist der große Applaus für alle Beteiligten des Scheffold-Gymnasiums!

(Christina Schubert)

WENN DIE TURNHALLE ZUR OPERNBÜHNE WIRD (31. März 2022)

JUNGE OPER STUTTGART ZU GAST AM SCHEFFOLD-GYMNASIUM

Alles spielt, alles turnt, alles ändert sich permanent – einem Perpetuum mobile ähnlich agieren die Figuren in der Oper „Les Enfants Terribles“ nach der Romanvorlage von Jean Cocteau und der Musik von Philipp Glass. Die Junge Oper im Nord (JOIN) gastierte in der Turnhalle des Scheffold-Gymnasiums – und hat sowohl räumlich als auch zeitlich einen Volltreffer gelandet.

Schulleiter Bernd Gockel nutzte die Aufführung als Startschuss, um mit einer kurzen Begrüßungsrede die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrenden auf das Schuljubiläum „50 Jahre Scheffold“ einzustimmen.

Die Junge Oper ließ in ihrem Stück statt Tänzern junge Turnerinnen und Turner auftreten, die gegenüber der handlungstragenden Welt der Geschwister Paul und Elisabeth eine ungerührte, mechanisch präzise Gegenwelt repräsentieren. Somit bildete die Schulturnhalle einen perfekten Rahmen für das puristisch anmutende Bühnenbild von Judith Adam: Im Hintergrund schwarze, an Wellblechpappe erinnernde Kulissen, rechts ein Barren, durch die Mitte schlängeln sich Turnmatten, auf der die Sportler in kobaltblauem Sportdress Räder schlagen, Handstände machen oder Saltos vollführen. In der Mitte ein weißer Turm, der aufgeschoben die Mauer oder Grenze zwischen Traum und Realität repräsentiert. Im Vordergrund, einem Schuhkarton ähnlich, das Zimmer der Geschwister, in dem sich große Gefühle abspielen.

Elisabeth und Paul leben in einer engen, fast symbiotischen Beziehung zusammen, die kaum ein Außen kennt. Laia Vallés als Elisabeth und Elliott Carlton Hines als Paul spielen dieses Geschwisterpaar mit großer Leidenschaft. Auf musikalisch höchstem Niveau singen sie sich durch die Geschichte von Liebe, Lüge und Verrat. So gibt es immer wieder einzelne Szenen, die besonders berühren: Zum Beispiel das Terzett der Geschwister mit ihrem treuen Freund Gérard (Philipp Nicklaus), der aus Liebe zu Elisabeth eine andere, Agathe, heiratet und eine Bandbreite an Gefühlen nicht nur schauspielerisch, sondern auch gesanglich spielerisch meistert. Oder als Agathe in Pauls Leben tritt und sie gemeinsam das Bild von Pauls früherem Geliebten Dargelos (gesanglich versiert und schauspielerisch auf hohem Niveau in einer Doppelrolle: Deborah Saffery) zerreißen. Dabei singen die jungen Sängerinnen und Sänger ihre Passagen mit Leichtigkeit und Anmut, sodass sich die Metapher des Spiels auch musikalisch wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht.

Statt eines Orchesters stehen drei Klaviere in der Turnhalle. Die junge Dirigentin Virginie Déjos setzt gekonnt Akzente in Philipp Glass Komposition. Ein Glücksfall sind die begabten Pianisten Yuri Aoki, Ugo Mahieux und Christopher Schumann, die durch ihr rhythmisch akzentuiertes Spiel der ganzen Oper eine eigene Dynamik verleihen und durch ihre Präsenz in der Turnhalle viel zu diesem ästhetischen Gesamtkunstwerk (Dramaturgie: Christoph Sökler, Regie: Corinna Tetzel, Licht: Rainer Eisenbraun) beitragen.

Insgesamt also ein ganz besonderes Erlebnis für die Scheffold-Schulgemeinschaft und ein äußerst gelungener Auftakt für weitere Aktionen zum 50-jährigen Schuljubiläum.