Scheffold-Gymnasium

Schwäbisch Gmünd

Ein Stück Weltgeschichte am Scheffold-Gymnasium

Schulkonzert „Revolution“ mit der Bläserphilharmonie Baden-Württemberg


Was passiert, wenn sich ein Dirigent, ein Sprecher und ein Videokünstler treffen, um gemeinsam Großes zu schaffen, konnten die Schülerinnen und Schüler des Scheffold-Gymnasiums vergangenen Donnerstag live im Musiksaal erleben. Hinter dem Titel „Evolution to Revolution“ verbarg sich ein 90-minütiges Event, das durch die Bläserphilharmonie Baden-Württemberg unter der Leitung von Toni Scholl, Schauspieler und Sprecher Jo Jung und Videokünstler Karsten Hoppe zu einem Gesamtkunstwerk wurde, das vor allem eines zeigte: Revolutionen, ihre stürmischen Zeiten und damit einhergehend oft tiefgreifende Veränderungen sind bei weitem nicht von gestern, sondern heute aktueller denn je.
Es war eine gelungene Mischung, eine Sternstunde aus Geschichte, Philosophie und Musik, die die Schülerinnen und Schüler des Scheffold-Gymnasiums hier präsentiert bekamen. Visuell modern in Szene gesetzt, musikalisch hochkarätig gespielt und äußerst anekdotenreich präsentiert.

Jo Jung schuf durch seine umsichtige Sprachgestaltung den nötigen Rahmen, um die Schülerinnen und Schüler für das Thema „Revolution“ zu sensibilisieren. Und konfrontierte sie zuerst mit der Frage, was denn Revolution überhaupt heiße. Seine Antwort: „Revolutionen fressen gerne ihre Kinder. Immer werden Machtmenschen nach oben gespült.“
Jung ging in seinen Ausführungen weit zurück in die Geschichte der Revolutionen: Angefangen bei den Bauernaufständen gegen Adel und Obrigkeit, erklang kurz darauf das „Yankee-Doodle“, das Lied der amerikanischen Revolution, welches sich im Laufe der Jahre zur Spotthymne der Kolonisten gegen die Briten entwickelte. Auf der Leinwand Bilder der Boston Tea Party, schnelle Schnitte von Kämpfen der amerikanischen Soldaten bis plötzlich Napoleon überlebensgroß erschien. „Man hatte in Frankreich die Monarchie abgeschafft und nun krempelte einer Europa um, der sich auch wieder eine Krone aufsetzte – unglaublich“, kommentierte Jung Napoleons Aufstieg unter den Klängen der „Marseillaise“. Dass das musikalische Motiv früher bei Mozart – für Jung mit seinem „Adelsgepobel“ auch ein Revolutionär – zu finden war, erstaunte die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer ebenso wie die darauffolgende Videoanimation: Papageno als Punk, Papagena als Blumenmädchen, die Königin der Nacht eine Mischung aus Spinne und Schmetterling – als Avatare bewegten sich die Hauptfiguren aus der Oper über die Leinwand, erfrischend und virtuos spielten die jungen Blechbläser melodische Arrangements aus der „Zauberflöte“ dazu.
Nachdem die deutsche Revolution mit dem „Lied der Badener“ in den musikalischen Fokus geriet und Georg Büchner, als „Lichtgestalt“ und „glühender Kämpfer“ für die Freiheitsrechte über die Leinwand flimmerte, standen mit Mussorgski und Stravinsky nochmals Künstler im Vordergrund, deren Kompositionen revolutionären Charakter haben. Und ohne die revolutionären Arrangements der Beatles oder den Rolling Stones hätten sich auch Punk, Rap oder Hip-Hop nicht entwickeln können. Und so durfte am Schluss auch Udo Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ nicht fehlen, dessen Porträt zusammen mit Gorbatschow, dem „wunderbaren Menschenverbinder“ auf hoffnungsgrüner Leinwand zu sehen war. Wie gut die Bläserphilharmonie auch Pop beherrscht, bewies sie mit der eindrucksvollen Interpretation von „Wind of Change“ der Scorpions, die zur Hymne der friedlichen Revolution geworden ist. Auf der Leinwand Bilder von fröhlichen Menschen, die auf der Mauer ihr Glück der Wiedervereinigung nicht fassen können. „Gorbi hat einfach gelächelt und nicht seine Panzer geschickt“, erklärte Jung dieses Stück Weltgeschichte.